„Ich mache den Vorschlag, den Iran als Studienfall dafür zu nehmen, was der Westen unter ‚Freier Welt‘ versteht. Ich hoffe, dass Bürger des Westens zu untersuchen beginnen werden, warum ihre Steuern und Armeen dazu verwendet werden, Tyrannei und Korruption in der ganzen Welt zu unterstützen… Falls morgen in Persien ein nationaler Aufstand eintritt, werden dann die Vereinigten Staaten die iranische ‚Freiheit‘ wie in Vietnam verteidigen, indem sie unter größten Opfern an Menschenleben die Rebellion zu unterdrücken versuchen? Die Antwort auf diese Frage hängt davon ab, ob es uns gelingt, der Bevölkerung Amerikas und des Westens die Wahrheit über die Freie Welt bekanntzumachen.“
(Bertrand Russell in Bahman Nirumands „Persien, Modell eines Entwicklungslands“, Hamburg 1967)
Seit Ende Februar führen die Regierungen der USA und Israels einen völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Iran – unter großen Opfern der Bevölkerung und zu Lasten der iranischen Bewegung für demokratische und soziale Entwicklung. Auch in diesem Krieg ist das erste Opfer die Wahrheit: Hinter „Freiheit und Demokratie“ verbergen sich plumpe Interessen von US-Konzernen an Öl und der Kontrolle von Handelswegen; ein „Präventivschlag“ soll die Verhinderung eines greifbaren Anti-Atomwaffen-Abkommens mit dem Iran verschleiern; der abgenutzte Slogan „War on terror“ kaschiert notdürftig den Staatsterrorismus der USA einschließlich der Förderung von Al Qaida bis IS. Die Geschichtsklitterung, die Gewalt habe ihren Ursprung im Nahen Osten und nicht in der Einmischung des Westens mit Sanktionen, Kriegen und Regime-Changes, schürt Rassismus.
Die Studierendenschaft der Uni Hamburg hat zur Aufklärung und Schaffung friedlicher Verhältnisse weltweit zentrale Bedeutung. Um 1968 entwickelte sich die Studierendenbewegung zum initiativen Teil der Bewegung für Frieden durch die Überwindung globaler Ungleichheit. Ein entscheidender Ausgangspunkt der 68er-Bewegung lag in dem internationalistischen Wirken gegen die US-installierte Diktatur des Shah im Iran. Gemeinsam mit iranischen Kommiliton:innen ging es um die Fortführung der antikolonialen Bewegung, die um 1950 im Verbund mit der Regierung Mossadegh für die Beendigung von Armut und Hunger zur ungehemmten sozialen
und kulturellen Entfaltung Aller die Verstaatlichung der iranischen Bodenschätze bewirkt hat.
Umso bedeutender ist unser Eingreifen heute, da die US-Hegemonie sich – wirtschaftlich, politisch, kulturell – im rasanten, unumkehrbaren Niedergang befindet. Daran ändern die durch den US-Präsidenten losgetretenen Kriege in aller Welt nichts. Sie stellen jedoch eine ernstzunehmende Gefahr für Fortbestehen und Wohlentwicklung der gesamten Menschheit dar. Die Lösung besteht in der umfassenden Kooperation unter Gleichen; in der vollumfänglichen Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechts der Völker, die souverän über ihre Entwicklung verfügen. Dieser Anspruch steht seit der Verabschiedung der UN-Charta im Oktober 1945 dringlich auf der Tagesordnung.
Wie wir durch Aufklärung zum Frieden und zur Verwirklichung der Menschenrechte beitragen, diskutieren wir bei unserem Interessiertentreffen. Alle neuen und alten Friedensfreunde sind herzlich eingeladen!
Montag, 4. Mai 2026, 18 Uhr ct
Raum S27, Von-Melle-Park 9


